Wertewandel: Abstinente Autofahrer heute mehr akzeptiert als früher

Autolenker, die sich nicht an Trinkgelagen ihrer Freunde beteiligten, waren früher in ihren Freundeskreisen nicht selten als „fade Zipfe“ verschrien. Dies dürfte sich laut einer sogenannten „AM.PULS“-Umfrage des ÖAMTC unter knapp 1.900 Mitgliedern aber verändert haben. 87 Prozent gaben demnach an, dass ihr soziales Umfeld es akzeptiere, wenn sie beim Ausgehen als Autofahrer keinen Alkohol trinken.

Nur drei Prozent der Befragten werden demnach durch ihre Abstinenz zur Zielscheibe von Witzen oder dummen Bemerkungen. „Wir erleben hier einen echten Wertewandel, vergleichbar etwa mit der stark gestiegenen Akzeptanz des Rauchverbotes in Lokalen“, sagte dazu ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Über drei Viertel (77 Prozent) gaben an, dass die Einstellung „Don’t drink and drive“ heute viel akzeptierter ist als früher.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Mehr als die Hälfte der befragten ÖAMTC-Mitglieder (53 Prozent) gab an, selbst schon einmal zur Alkoholkontrolle gebeten worden zu sein. Fast genauso viele (51 Prozent) empfinden, dass Kontrollen immer häufiger stattfinden.

„Diese Wahrnehmung wird durch die Zahlen des Innenministeriums bestätigt“, betonte Seidenberger. So wurden von der Exekutive 2015 mit mehr als 1,6 Millionen Tests (Alkomaten- und Alkovortests) fast 40 mal so viele Kontrollen durchgeführt wie 1987. Allein zwischen 2010 und 2015 stieg laut ÖAMTC die Anzahl der Alkotests um über 700.000 an. „Laut Ministerium gingen im selben Zeitraum trotz dieser Steigerung der Alkoholkontrollen die Anzeigen wegen Alkohol am Steuer um 30 Prozent zurück. Das ist ein Indiz dafür, dass die erhöhte Kontrolldichte der Exekutive Wirkung zeigt“, sagte Seidenberger.

Große Akzeptanz für 0,5 Promille-Grenze
Weitgehend akzeptiert ist laut ÖAMTC die gesetzliche 0,5 Promille-Grenze für Autofahrer. 46 Prozent der Befragten halten diese Grenze für angemessen. 37 Prozent der Befragten plädierten für ein niedrigeres Alko-Limit. Nur elf Prozent wollten zurück zur 0,8 Promille-Grenze. Für Lkw- und Busfahrer findet die 0,0 Promille-Grenze sogar eine Zustimmung von 71 Prozent. Seidenberger zufolge wünscht die Mehrheit der Befragten ein strengeres Limit für Radfahrer, für die derzeit ein Grenzwert von 0,8 Promille gilt. Nur 16 Prozent halten dieses Limit für angemessen, 38 Prozent plädierten für eine Herabsetzung auf 0,5 Promille, 31 Prozent wünschten sich ein noch niedrigeres Limit.

Hinsichtlich ihres eigenen Verhaltens gaben 43 Prozent der Befragten an, nach dem Konsum von Alkohol schon einmal ein Fahrzeug gelenkt zu haben, allerdings innerhalb der gesetzlich erlaubten 0,5 Promille. 29 Prozent, hauptsächlich junge Männer, sagten, nach eigenem Dafürhalten auch schon einmal über dem gesetzlichen Grenzwert ein Auto gelenkt zu haben. Als Grund dafür gaben sie vor allem im ländlichen Raum fehlende Alternativen an.

Junge Männer als Risikogruppe
Laut Unfallstatistik 2014 wurden 32 Menschen bei Alkoholunfällen getötet – was 7,4 Prozent aller Verkehrstoten dieses Jahres entspricht. Die Statistik für 2014 wies 2.213 Alkoholunfälle aus, wobei an 84 Prozent dieser Unfälle Männer beteiligt waren. Der Hauptanteil davon war in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren zu finden.

„AM.PULS“ ist eine Umfrage-Plattform des ÖAMTC. Die Teilnehmer sind Mitglieder, die sich bereit erklärt haben, regelmäßig an Online-Befragungen teilzunehmen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die ÖAMTC-Mitglieder ab 18 Jahren mit Internetzugang (bestätigt durch Vergleichsstudien im unabhängigen Online-Pool der GfK Austria). Für die Umfrage zum Thema Alkohol wurden im vergangenen Dezember 1.899 Personen online befragt. 96 Prozent von ihnen sind Autofahrer.

(APA)