Umweltbedingte Fahrverbote – Nachrüsten für ÖAMTC bessere Alternative

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Auch wenn Diesel-Kfz der Einhaltung der NO2-Grenzwerte entgegenstehen, hält der Autofahrerclub ÖAMTC nichts von einem etwaigen Fahrverbot für ältere Fahrzeuge, so wie sich auch die Wirtschaftskammer (WKÖ) gegen diese Maßnahme ausspricht. Der ÖAMTC verwies auf die Möglichkeit, Diesel-Pkw technisch nachzurüsten. Eine Option, die aktuell in Stuttgart vor Gericht diskutiert wird.

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit wurde europaweit für Stickstoffdioxid der 1-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt, der nicht öfter als 18 Mal im Kalenderjahr überschritten werden darf, über ein ganzes Jahr gerechnet dürfen im Schnitt 40 Mikrogramm pro Tag nicht überschritten werden. „Auf den Straßen wird erst seit rund eineinhalb Jahren intensiver gemessen. Vorher wurde am Rollenprüfstand gemessen, und da ist man jetzt ganz überrascht, dass es auf der Straße ganz andere Werte gibt“, gab Cheftechniker Max Lang zu bedenken.

Zwei Millionen Autos in Österreich betroffen

Wenn man jetzt wie in Stuttgart in Erwägung ziehen würde, alle Fahrzeuge mit Euro-5-Motoren oder schlechter zu verbieten, dann wären in Österreich wahrscheinlich rund zwei Millionen Autos betroffen, sagte Lang. „Den Euro-6 gibt es erst seit zwei Jahren. Wenn man die alle aussperrt, dann sind viele Lenker betroffen, die aus wirtschaftlichen Gründen noch ein älteres Auto fahren. Das würde die sozial Schwächeren treffen. Diese Komponente sollte man nicht außer Acht lassen“, erläuterte der Cheftechniker. Die Stickstoffdioxidbelastung könnte neben der Nachrüstung auch durch optimierte Ampel-Schaltungen (Stichwort „Grüne Welle“) eingeschränkt werden.

Große Unterschiede zwischen Rollenprüfstand und Straße

Aus Sicht des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sind die Hersteller zu verpflichten, auf ihre Kosten die Diesel-Pkw mit funktionierenden Abgasreinigungssystemen nachzurüsten, damit die Fahrzeuge auch auf der Straße die Abgasgrenzwerte einhalten. Eine Sicht, die Lang nicht teilen kann: „Derzeit gibt es keine Vorgaben, was ein Fahrzeug auf der Straße emittieren darf. Wenn man sich ein Fahrzeug gekauft hat, bei dem der Hersteller versprochen hat, dass dieses im ECE-Fahrzyklus sechs Liter verbraucht und man als sportlicher Fahrer aber neun Liter braucht – da wird der Fahrzeughersteller auch nichts zahlen, damit man auf die sechs Liter kommt“, argumentierte der ÖAMTC-Experte. Niemand habe gesagt, dass Fahrzeuge auf der Straße nicht mehr verbrauchen dürfen als am Rollenprüfstand, und selbiges gilt auch für Abgase.

Die Unterschiede sind jedenfalls groß. Laut VCÖ haben Messungen des Forschungsinstituts ICCT gezeigt, dass auch neue Euro-6-Diesel-Pkw auf der Straße im Schnitt sechsmal so viel Stickoxide ausstoßen. Bestätigt werden diese Ergebnisse durch Messungen des deutschen Umweltbundesamts: Im Schnitt verursachten die Euro-6-Diesel-Pkw auf der Straße 507 Milligramm NOx pro Kilometer (der Grenzwert beim Abgastest liegt bei 80 mg), die Euro-5 sogar durchschnittlich 906 mg (Grenzwert 180 mg) und damit mehr als die älteren Euro-4 (674 mg – Grenzwert 250mg).

Autohersteller übernehmen Nachrüstung

Um diese Unterschiede zu verringern, haben sich Autohersteller bereit erklärt, die Nachrüstung zu übernehmen. In Bayern sagten BMW und Audi bei Beratungen mit der Landesregierung etwa prinzipiell zu, die Hälfte ihrer in Deutschland zugelassenen Euro-5-Dieselwagen technisch nachzurüsten. „Wir begrüßen die Maßnahme, dass sich die Fahrzeughersteller zur Nachrüstung bekennen“, so Lang. Damit könnte es zu einer Halbierung der Stickstoffdioxide kommen, kündigten diese an.

Auf einem guten Weg

Aus Sicht der Wirtschaftskammer wurde bereits ein guter Weg im Sinne von weniger Abgasen und Feinstaub beschritten, ohne dass es Verbote brauche. Wie von der WKÖ auf APA-Anfrage verlautete, zählten hierzu unter anderem Erneuerungen von Lkw-Flotten, mehr öffentlicher Verkehr, mehr umweltfreundlicher Individualverkehr und Umstellungen von Firmenfahrzeugflotten. In Graz sei 2012 ein Fahrverbot für Diesefahrzeuge mit 70 Prozent deutlich abgelehnt worden. Für den gewerblichen Verkehr gelte, bisherige Ausnahmeregelungen beizubehalten, sollte es zu Fahrverboten kommen.

 

(APA/Red.)